Temple of FortuneEN
Menü

Lab

Lab-Story: Als uns die Gebühren die Strategie zerlegten

Unser Trading-Lab hat in einer Woche mehr über Fees gelernt als aus jedem Lehrbuch: Die Geometrie eines Trades entscheidet, nicht die Trefferquote.

Von Ansel Grau · Temple of Fortune · Aktualisiert:

Schnellantwort

Eine Strategie mit 78 % Trefferquote kann Geld verlieren: Wenn der durchschnittliche Stop-Loss-Verlust ein Vielfaches des durchschnittlichen Take-Profit-Gewinns beträgt und die Gebühren einen Großteil des Brutto-Gewinns fressen, liegt die Break-even-Trefferquote über der realen. Genau das haben wir in unserem Lab gemessen — und veröffentlichen die Zahlen.

Die Woche, in der die Trefferquote log

Eines unserer Systeme handelte mit 78 % Trefferquote — und verlor trotzdem Geld. Kein Bug, kein Pech: Geometrie.

Der durchschnittliche Take-Profit-Gewinn lag (nach Gebühren) bei +0,68, der durchschnittliche Stop-Loss-Verlust bei −2,98. Setzt man das in die Break-even-Formel ein, braucht dieses System 81,4 % Trefferquote, nur um bei null herauszukommen. Real waren es 77,8 %. Der Rest ist Arithmetik.

Die Geometrie: Ø-Verlust gegen Ø-GewinnØ Take-Profit-Gewinn0.7Ø Stop-Loss-Verlust3.0Temple of Fortune Lab · 2026-07-13
Der durchschnittliche Verlust war das 4,4-fache des durchschnittlichen Gewinns (nach Gebühren). Bei 78 % Trefferquote reicht das nicht — die Break-even-Quote läge bei 81,4 %.

Was die Fees damit zu tun haben

Auf dem teuersten Handelsplatz in unserem Setup kosten Kauf + Verkauf zusammen rund 0,4 %. Je enger das Gewinnziel gesteckt ist, desto größer der Anteil, den allein die Gebühr vom Brutto-Gewinn frisst — beim zweiten System blieb vom durchschnittlichen Gewinn-Trade nach Kosten praktisch null übrig.

Die unbequeme Wahrheit: Nicht die Venue war das Problem, sondern unsere Geometrie. Auf Tagesbasis (größere Kursbewegungen pro Trade) war derselbe Gebührensatz in unseren Tests fast irrelevant.

Drei Regeln, die wir daraus gemacht haben

  1. Break-even-Quote vor jedem Livegang berechnen — und einen Sicherheitsabstand von mindestens fünf Prozentpunkten über mindestens 100 Out-of-Sample-Trades fordern.
  2. Gewinnziele müssen die Gebühren amortisieren. Enge Ziele + hohe Fees = strukturelle Verlustmaschine, egal wie gut das Signal ist.
  3. In-Sample-Sieger sind keine Sieger. Jede Strategie, die im Renn-Rückspiegel glänzt, muss es im Vorwärtstest beweisen — unsere schönsten Backtest-Kurven sind im Holdout reihenweise gestorben.

Warum das hier steht

Dieses Magazin begleitet den Aufbau unseres Trading-OS in der Werkstatt, nicht im Schaufenster. Verkauft wird nichts, bevor ein öffentlicher Track-Record existiert. Bis dahin: die Zahlen, auch wenn sie zwicken.

Häufige Fragen

Warum veröffentlicht ihr so etwas — das ist doch peinlich?
Weil es der Punkt dieses Magazins ist. Ein Lab, das nur Gewinne zeigt, ist Werbung. Eines, das seine Verlustmechanik seziert, ist ein Lab.
Was ist die Break-even-Trefferquote?
Die Trefferquote, ab der eine Strategie nach allen Kosten genau null verdient: |durchschnittlicher Verlust| geteilt durch (durchschnittlicher Gewinn + |durchschnittlicher Verlust|). Liegt deine reale Quote darunter, verlierst du planmäßig.

Quellen

Kein Anlage-, Steuer- oder Rechtsrat. Investieren und Trading sind mit erheblichen Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Recherchiere selbst und entscheide eigenverantwortlich.

Kommentare

Diskutiere hart in der Sache, fair im Ton. Keine Finanz-„Tipps" mit Gewinnversprechen, keine Werbung, keine Links zu Scams — sowas fliegt raus, im Wiederholungsfall samt Konto. Der Rest: willkommen im Tempel.